„Some cried while others raged“ – Todesmärsche und Befreiung: Die letzten Tage des Konzentrationslagers in Dokumenten und literarischen Zeugnissen

28. April 2020 · Aktuelles

Ende April 1945 fieberten rund 32.000 erschöpfte und todkranke Häftlinge ihrer Befreiung entgegen. Unter ihnen wuchs die Furcht vor mörderischen Evakuierungsmärschen oder einer Vernichtungsaktion der SS. Seit dem 23. April warteten 2.000 jüdische Häftlinge auf dem Appellplatz auf ihren Abtransport und am 26. April mussten sich weitere Häftlinge dort einfinden. Erst gegen 21:00 Uhr brachen die ersten Kolonnen auf, bewacht von bewaffneten SS-Männern und scharfen Hunden. Insgesamt wurden am 26. April 1945 8.646 Häftlinge unter örderischen Bedingungen aus dem KZ Dachau evakuiert.
Am 29. April 1945 machte das Konzentrationslager einen gespenstischen Eindruck. Vor der Totenkammer und bei den Krankenbaracken lagen tote Häftlinge, im Krematoriumsbereich türmten sich die Leichen und aus dem SS-Lager ragte der Zug mit den Toten aus Buchenwald in die Friedenstraße hinein. Der Gefechtslärm kam ständig näher.
Eine Einheit amerikanischer Soldaten, angeführt von Lt. Colonel F. L. Sparks, rückte entlang des Eisenbahn-Stichgleises vor und stieß dabei auf den Zug aus Buchenwald. Was sie auf ihrem weiteren Vormarsch entdeckten, besonders als sie zum Krematorium kamen, vergleicht Sparks in einem Bericht mit Dantes Hölle und schreibt: „… Eine Reihe von Männern der Kompanie, allesamt kampferprobte Veteranen, waren äußerst verstört. Einige weinten, während andere tobten. Es vergingen ungefähr dreißig Minuten, bis ich Ordnung und Disziplin wiederherstellen konnte.“
Weitere US-Einheiten näherten sich dem Lager und um 17:28 Uhr öffnete sich das große Tor.
Diese Geschehnisse und die Erinnerungen der befreiten Häftlinge sind Thema des Rundganges, der zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird.
(Beitrag von Karin Schwenke)